
1999: Der Anfang
In den Gründungsversammlungen der Lokalen Agenda 21 Herrenberg bildeten sich damals die sechs Arbeitskreise (AK) Wirtschaft, Städteplanung, Verkehr, Soziales, Umweltbildung und Energie. Der Gemeinderat hat verschiedenen Vorschlägen des AK Energie zugestimmt, so dass diese zügig, wie nachfolgend berichtet, umgesetzt werden konnten. Dies hat den AK Energie zur Fortsetzung und Intensivierung seines Engagements motiviert, während andere Arbeitskreise weniger Zustimmung und Unterstützung fanden und ihre Arbeit inzwischen eingestellt haben.
Konkrete Projekte helfen Energie sparen und Umwelt schützen
In der Gäubote-Kolumne "Energiesparer des Monats" wird seit Mai 2000 regelmäßig über Energieprojekte von Bürgern aus Herrenberg und dessen Umgebung berichtet. Die Stadt hat in demselben Jahr mehrere Kurse für energiesparendes Autofahren angeboten, an dem Angestellte der Stadt und Herrenberger Bürger erfolgreich teilgenommen haben. Auf Vorschlag des Arbeitskreises wurden außerdem 420 m2 Solarabsorbermatten zur Erwärmung des Freibadwassers installiert. Durch den eingesparten Gasverbrauch hat sich diese Investition inzwischen amortisiert.
Gebäude sind die größten Energiefresser
Eine Energiebroschüre für Altbausanierungsmaßnahmen wurde damals ebenfalls vom AKE eingeführt und als Grundlage für eine erste Energieberatung nach dem Motto "Ist Ihr Haus fit für das 21. Jahrhundert?" bei den Stadtwerken eingesetzt. Seit vier Jahren hat der AKE ein eigenes Beratungsteam aufgebaut, das eine regelmäßige "Bauberatung Energie" monatlich im Klosterhof anbietet. Drei Bafa-zertifizierte Energieberater (darunter ein Architekt) wechseln sich bei der Beratung ab, zu der sich jeder Bürger über unsere Homepage oder telefonisch bei den Stadtwerken anmelden kann. Die Bauberatung Energie ist der Eckpfeiler zur Verwirklichung unseres Leitziels "Energiesparen bei Alt- und Neubauten voranbringen". Unter diesem Motto wurden auch Vortragsreihen mit Architekten und Planungsbüros und Exkursionen zu Passivhaussiedlungen nach Ulm und Stuttgart organisiert. Seit Jahren hat der AKE bei der Bauverwaltung und den Gemeinderäten dafür plädiert, die Bauvorschriften für extrem wärmesparende Häuser und Solarenergienutzung zu spezifizieren. Jetzt wurden solche Maßnahmen erstmals für das Baugebiet Raingasse in Affstätt verwirklicht. Der AKE fordert die Stadt dazu auf, solche Kriterien bei allen Baugebieten in Zukunft anzuwenden.
Trotz oder gerade wegen Climate Star und Klimabündnis ist noch viel zu tun
Herrenberg ist zwar schon frühzeitig im Jahr 2000 dem Klimabündnis europäischer Städte und Gemeinden beigetreten, hat aber dessen wichtigstes Ziel, die CO2-Emissionen in Herrenberg um 50% bis 2030 zu reduzieren, nur sehr zögerlich in Angriff genommen. Dazu wäre nach Auffassung des AKE ein ehrgeiziges Klimaschutzkonzept und dessen konsequente Umsetzung erforderlich. Nach wie vor fordert der AKE deshalb die Stadtverwaltung auf zu untersuchen, mit welchen Maßnahmen wie viel Energie und CO2 in Herrenberg eingespart werden können und in welchen Zeiträumen diese umgesetzt werden müssen, um den Zielen des Klimabündnis näher zu kommen und dem im Jahre 2002 an die Stadt verliehenen "Climate Star" gerecht zu werden.
Der "Climate Star" wurde u.a. für zwei Solarprojekte, nämlich die Solarabsorbermatten und das 1. Herrenberger Sonnendach auf dem Schickhardt-Gymnasium, verliehen. Inzwischen wurden von den Stadtwerken sieben Sonnendächer auf verschiedenen Schulen und der Technischen Fahrzeughalle der Stadtwerke errichtet. Alle Sonnendächer wurden durch den Kauf von Anteilen finanziert. Über 300 Bürger haben sich inzwischen daran beteiligt. Der AKE hat diese Solaranlagen initiiert und mit Informationsveranstaltungen, Presseberichten und einer Solarbroschüre für die Bürgerbeteiligung geworben. Inzwischen ist das 8. Herrenberger Sonnendach in Vorbereitung.
Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung ist noch nicht effektiv
Für die zukünftige Zusammenarbeit mit der Stadt und den Gemeinderäten wünscht sich der AKE einen regelmäßig stattfindenden runden Tisch (Lenkungsausschuss) mit Vertretern der Stadtverwaltung, der Fachabteilungen, des Gemeinderats und des AKE, um gemeinsam über Vorschläge und Maßnahmen zum Thema Energie beraten zu können. Außerdem fordert er eine Stärkung des Umweltamtes, indem diesem eine eigenständige Stabsstelle für einen Umweltschutzbeauftragten zugeordnet wird. Dies würde auch die Arbeit des AKE effizienter machen, da die Kommunikation mit der Verwaltung seit Jahren praktisch nur über den Agenda-Beauftragten am Amt für Umwelt und Verkehr erfolgt.
Dr. Konrad Herz, Sprecher des AK Energie
10.10.2009