
Die 15. Weltklimakonferenz in Kopenhagen ist gescheitert. Wie schon bei allen Vorläuferkonferenzen wurden große Erwartungen aufgebaut, von denen sich kaum eine erfüllt hat. Es konnte kein international rechtsverbindliches Abkommen über die Reduzierung der Treibhausgase erzielt werden. Lediglich eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2°C wurde beschlossen.
Bei ihrem Treffen am 22. Dezember in Brüssel zeigten die europäischen Umweltminister einstimmig ihre Enttäuschung über die Ergebnisse des Klimagipfels. Nun sei es an den lokalen und regionalen Akteuren, diese Vereinba-rung mit Engagement umzusetzen, so Luc Van den Brande, Präsident des Ausschusses der Regionen. Damit wird die Rettung des Weltklimas auf die regionale und kommunale Ebene zurückverwiesen nach dem inzwischen schon etwas abgedroschenen Slogan "Global denken, lokal handeln". Muss eine globale Herausforderung wie der Klimawandel aber nicht global von allen Ländern gemeinsam gelöst werden, um nicht zur Klimakatastrophe zu werden? Einschneidende Maßnahmen und Veränderungen sind notwendig, die schnell und konsequent umgesetzt werden müssen.
Das Scheitern war vorprogrammiert
Vordergründig ist es einleuchtend, dass diese Herausforderungen nur durch globale, gemeinsam getragene Entscheidungen gelöst werden müssen. Die nationalen Regierungen von Energieimport- und Energieexportländern, Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern, die sich dazu in internatio-nalen Verträgen zu verbindlichen Zielen verpflichten müssten, haben aber total unterschiedliche Interessen und Möglichkeiten. Diese Interessen alle auf einen Nenner zu bringen, kann bestenfalls zu einem Minimalkompromiss führen, der das immense und keine weitere Verzögerung duldende Klimaproblem nicht lösen kann. In Kopenhagen war sogar der Minimalkompromiss kläglich.
Eine technologische Revolution
Die europäischen Umweltminister kommen allmählich zu der Einsicht, dass die einzigen Wege zum Klimaschutz - der Wechsel von der fossilen Energieversorgung hin zu Erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz - nicht eine wirtschaftliche Last, sondern ein elementarer volkswirtschaftlicher Vorteil für alle Akteure ist, die diesen Wandel vorantreiben. Dieser ist gleichbe-deutend mit einer technologischen Revolution, wie er in ähnlicher Weise in der Vergangenheit schon mehrfach stattgefunden hat, z. B. mit dem Aufbau der Eisenbahn, mit der Elektrifizierung, mit Auto, Luftfahrt und Telekommunikation. Um den Klimaschutz durch eine solche technologische Revolution voranzutreiben ist kein "internationaler Gleichschritt", sondern ein entschlossenes Handeln auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene erforderlich. Wirtschaftliche Nutznießer werden als erste die sein, die hierbei die Nase vorne haben. Später prosperieren alle davon. Deutschland hat mit der Revolutionierung der Energieversorgung schon begonnen: hier wurden frühzeitig große Windanlagen aufgebaut, hier werden weltweit die meisten Solaranlagen installiert.
Klimaschutz auf kommunaler Ebene
Auch Herrenberg hat längst begonnen, Klimaschutz zu betreiben. Die Stadt ist 2000 ins Klimabündnis Europäischer Städte eingetreten, die Herrenberger Bürger haben seit 2002 sieben Sonnendächer auf Herrenberger Schulen und noch viel mehr private Solaranlagen auf ihren eigenen Dächern finanziert. Erst vor kurzem wurde der Bebauungsplan der Affstätter Raingasse nach solaren Gesichtspunkten ausgerichtet und ein Wärmeversorgungskonzept mit Blockheizkraftwerk und Holzhackschnitzel-heizung für das Schulzentrum Markweg geplant. Solche Maßnahmen sind von großem wirtschaft-lichen Nutzen für die Anlagenhersteller sowie die Handwerker und Betreiber vor Ort. Und sie vermin-dern den Abfluss großer Geldmengen in die Öl- und Gasförderländer. Im Rahmen ihrer Klimaschutz-verpflichtungen können und sollen Stadt und Bürger noch viel mehr tun. Das achte Herrenberger Sonnendach wartet schon lange auf seine Verwirklichung. Altbauten und alle neuen Bauvorhaben müssen in Zukunft mit höchster Wärmedämmung und erneuerbaren Energiequellen ausgestattet werden, so dass daraus Solarhäuser, Passivhäuser und Solarsiedlungen entstehen. Und wer hätte nicht selber noch Möglichkeiten, mehr zum Klimaschutz beizutragen - z.B. durch den bewussten Umgang mit Strom und Heizenergie sowie die Nutzung des Fahrrads und der eigenen Beine?
Dr. Konrad Herz
25.01.2010