
Am kommenden Wochenende öffnen wieder über 650 Passivhäuser in ganz Europa die Türen, um allen, an diesem zukunftsweisenden Baustandard Interessierten die Möglichkeit zu geben, in diese Wohlfühlhäuser zu spazieren und sich selbst von den Vorteilen zu überzeugen.
Bei dieser Gelegenheit kann man die Unterschiede zum konventionellen Bau und die minimalistische Technik zum Anfassen erleben und abseits von Medienberichten, mit den Bewohnern die tatsächlich gemachten Wohnerfahrungen aus erster Hand diskutieren. Auch in Herrenberg kann am 8. November ein 2007 gebautes Haus besichtigt werden.
Die Bauherren haben selber als Interessierte am Tag des Passivhauses 2006 zwei Objekte besichtigt und wollen jetzt auch anderen diese Möglichkeit bieten. Vor allem die damaligen intensiven Gespräche mit den Bewohnern und die Besichtigung vor Ort hatten Mythen durch Fakten ersetzt, zahlreiche Fragen beantwortet und damit maßgeblich die Entscheidung für ein Passivhaus gefestigt. Diese Entscheidung wurde nicht bereut. Die Heizkosten sind schon im zweiten Jahr auf dem Niveau von Portokosten und auf die Behaglichkeit mit ständig frische Raumluft wollte man niemals mehr verzichten.
Herr Hildebrandt von der Fa. ebök vermittelte in einem Vortrag auf den 1. Herrenberger Energietagen als Teil der Herbstschau, interessante Einblicke in die Vorteile des Passivhauskonzeptes, das der beständig verschärften EnEV meilenweit voraus ist. Ab 1. Oktober ist nunmehr die Energieeinsparverordnung EnEV 2009 rechtlich verbindlich. Mit Ihr wird der Energieverbrauch gegenüber der bisher gültigen EnEV um 30 % gesenkt. Die weiteren Schritte sind bereits in Planung: So soll die EnEV 2012 bereits in drei Jahren weitere 30 % reduzieren, und 2018 dürfen laut EU-Beschluss in Europa sogar nur noch Nullenergiehäuser gebaut werden. Passivhäuser haben sich über die Jahre bewährt und unterschreiten bereits jetzt den zukünftigen Energiestandard der EnEV 2012.
Die Wurzeln des Passivhauses reichen bis nach Herrenberg
Vor 18 Jahren kam ein neugieriger Physiker auf die Idee, dem abstrakten Begriff der Energieeffizienz ein Gesicht zu geben. Er möchte ein Haus so konzipieren, dass es sehr wenig Heizenergie verbraucht. Damals sagten die Skeptiker: "Das funktioniert nicht". Neugierig, wie er war, begann er mit einem Team ebenfalls neugieriger Menschen an Lösungen zu forschen, bis sie sagten: "Es geht doch" - und bauten das erste moderne Passivhaus weltweit. Dieses Haus liegt in Hessen, wird bis heute bewohnt und verbraucht tatsächlich weniger als ein Zehntel der Heizenergie eines konventionellen Gebäudes. Und ihre glücklichen Bewohner, darunter der neugierige Physiker selbst, leben noch heute darin Und dieser Physiker ist sozusagen ein Sohn Herrenbergs. Es ist kein geringerer als der heutige Passvihauspapst Prof. Dr. Wolfgang Feist, der in Herrenberg aufgewachsen ist und heute das Passivhausinstitut in Darmstadt leitet.
Interessenten für eine Besichtigung in Herrenberg werden gebeten sich möglichst rasch anzumelden unter wamsler@architekt-wamsler.de oder Tel. 0171-6569458
Weitere Infos findet man unter www.ig-passivhaus.de sowie www.passivhausprojekte.de (einfach gewünschte Postleitzahl eingeben)
Konrad Herz
03.11.2009