Amtsblatt 16.12.2010
"Leuchtturmprojekt ……"
Bild: akenergie/Sautter

In seiner öffentlichen Sitzung hat der Finanzausschuss am 8. Dezember einstimmig beschlossen, dass der Gemeinderat den Bau einer wieder von Bürgerinnen und Bürgern finanzierten Photovoltaikanlage auf dem Dach der neuen Sporthalle im Markweg genehmigt.

Zusammen mit dieser neunten Ausbaustufe wird das Herrenberger Sonnendach ab dem kommenden Jahr so viel klimafreundlichen Solarstrom liefern wie über 100 vierköpfige Familien brauchen, genug um Jahr für Jahr 217 Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Ein "Leuchtturmprojekt seinesgleichen" sei das, hat OB Thomas Sprißler schon im Oktober in einem Schreiben an den AK Energie festgestellt, zu dessen Zielen es auch gehört, Erneuerbare Energien voranzubringen, für sichere Arbeitsplätze, für Klimaschutz, für mehr Unabhängigkeit von Öl- und Gasförderländern und zur Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft.

Im Wirtschaftsteil einiger Medien dagegen müssen …
"ausgerechnet die zukunftsfähigen Erneuerbaren Energien als Sündenbock herhalten: Angeblich sind sie schuld an den jüngsten Strompreiserhöhungen. Entsprechend heftig werden die Erneuerbaren befehdet. Doch die Polemik gegen Erneuerbare ist in Wahrheit ein Ablenkungsmanöver, mit dem die Stromkonzerne von ihren überzogenen Preisen und Gewinnen ablenken." So formuliert es der Bund der Energieverbraucher.

Wie können wir solche Attacken der Stromkonzerne verstehen?

Der Anteil des Ökostroms in Deutschland ist laut Solarmedia 2010 auf jetzt 19 Prozent gestiegen. Damit nähert sich der Anteil der Erneuerbaren Energien dem Anteil des Atomstroms an (23 Prozent). "Ökostrom ist so erfolgreich, dass er in der Tat den vier großen Energiekonzernen wehtut", stellt Prof. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung fest.

Seit dem Jahr 2000 wird Strom aus Wind, Wasser und Sonne über das Erneuerbare Energien-Gesetz gefördert. Zwar nicht mit Steuern, aber mit einer von allen Stromverbrauchern zu tragenden Umlage, die zum Jahresbeginn von 2,05 um 1,45 auf 3,5 Cent je Kilowattstunde erhöht wird, weil die Erneuerbaren so erfolgreich sind. - Diese Umlage müssen jedoch nicht die Stromkunden zahlen, sondern zunächst die Stromversorger. Es ist deshalb nicht wahr, dass sich die Haushaltsstrompreise automatisch um 1,45 Cent je Kilowattstunde erhöhen müssten.

Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur, bringt die Unredlichkeit der Stromkonzerne auf den Punkt: Er weist darauf hin, dass der Einkaufspreis für Strom seit Mitte 2008 um 20 Prozent günstiger geworden ist. Dieser Preisrutsch ist allerdings nie bei den Kunden angekommen.

Die Elektrizitätswerke Schönau: Das Einspeisen von Ökostrom senkt die Stromeinkaufspreise der Endkundenversorger. Für das Jahr 2008 nennen sie eine bundesweit eingesparte Gesamtsumme von 3,6 bis 4 Milliarden Euro. Eine dreiköpfige Familie würde etwa 150 Euro einsparen, wenn diese Entlastung an die Endkunden weitergegeben würde (Merit-Order-Effekt).

Wie können Verbraucher sich gegen zu hohe Strompreise wehren?

Wer höhere Strompreise nicht klaglos hinnehmen möchte, der kann den Anbieter wechseln, kinderleicht. Die Mitglieder des AK Energie beziehen ihre ganze elektrische Energie von Ökostromanbietern, und von den einundzwanzig Trägern der Initiative "Atomausstieg selber machen", seien hier nur fünf genannt: Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Greenpeace Deutschland, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der WWF Deutschland.



Ingrid Kahlig und Hermann Sautter
16.12.2010


Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de