Amtsblatt 26.04.2010
Bioenergie und Regionale Wertschöpfung

Einleitende Folie des Vortrags von Dr. Dederer



Bioenergie in Form von Wärme und Strom aus Holz, Biosprit und Biogas kann einen großen Teil unseres Energiebedarfs decken. Biogas wird in Deutschland schon in rd. 4000 Biogasanlagen erzeugt. Der Landkreis Böblingen verwandelt bereits den Inhalt der Biotonnen in einer Biogasanlage in Strom und Wärme. Ein großer Teil der übrigen Biomasse in der Region verrottet aber leider noch ungenutzt. Unter dem Thema "Bioenergie und Regionale Wertschöpfung" hat Dr. Manfred Dederer, Biogasberater des Landwirtschaftsamts Ludwigsburg, am vergangenen Donnerstag über Grundlagen und Voraussetzungen zur Biogaserzeugung und Nutzung informiert.

von Dr. Konrad Herz

Dr. Dederer war auf Einladung des Arbeitskreises Energie der Lokalen Agenda 21 schon zum zweitenmal in Herrenberg, wo er vor sieben Jahren über "Chancen für Bioenergie" referiert hat. Diese scheinen heute günstiger zu sein als damals, weil sich die Anlagentechnik auf diesem Gebiet weiterentwickelt hat und im Erneuerbare Energiengesetz (EEG) günstige finanzielle Voraussetzungen für die Strom- und Wärmeerzeugung aus Biogas geschaffen wurden.

Auch die Stadtwerke Herrenberg interessieren sich nach eigenem Bekunden für Biogas aus regionaler Erzeugung und Wertschöpfung. Dabei gilt es zu überlegen, ob sie dieses zur Strom- und Wärmeerzeugung in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) nutzen oder nach einem Reinigungsprozess in ihr eigenes Gasnetz einspeisen wollen. Dr. Dederer gab Beispiele, wie solche Projekte in anderen Kommunen realisiert werden konnten. Eine attraktive Möglichkeit wäre, ein Blockheizkraftwerk über ein Mikrogasnetz mit Biogas zu versorgen, welches bei verschiedenen Landwirten im Umkreis von fünf bis zehn Kilometern erzeugt wird. Das Biogas wird dabei durch Vergärung von Mais, Raps oder anderen Energiepflanzen, Gülle, Grassilage oder organischen Abfällen hergestellt. Je nachdem, welcher Rohstoff eingesetzt wird, gibt es für den erzeugten Ökostrom nicht nur die nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz festgelegte Grundvergütung je Kilowattstunde, die außerdem von der Größe der Biogasanlage abhängt, sondern zusätzlich einen "NaWaRo-Bonus" (Bonus für nachwachsende Rohstoffe). Dabei dürfen nur pflanzliche Rohstoffe eingesetzt werden, die keinen anderen Zweck als die Verwertung in der Biogasanlage gaben. Bei mindestens 30% Gülleanteil wird zudem ein Güllebonus gewährt. Letztlich sind die Vergütungsregeln sehr vielfältig und nicht ganz einfach zu überblicken. So gibt es auch noch einen Technologiebonus und einen Formaldehydbonus.

Wird die bei der Verstromung im Blockheizkraftwerk in Höhe von 30 bis 40% zusätzlich entstehende Wärme ebenfalls genutzt, z.B. durch die Beheizung von Wohnsiedlungen, Industriegebäuden oder Schwimmbädern, kann der Stromerzeuger einen zusätzlichen Preis für die gelieferte Heizenergie kassieren und bei der Einspeisevergütung noch den KWK-Bonus (Bonus für Kraft-Wärme-Kopplung) geltend machen. Die Wirtschaftlichkeit für die Biogas- und Stromerzeugung hängt also von vielen Parametern ab und muss deshalb gut geplant und kalkuliert werden. Herr Dr. Dederer, der fast alle Biogasanlagen landauf, landab kennt, steht Kommunen und interessierten Landwirten als ausgewiesener Experte in seinem Fachgebiet für weitere Gespräche und Beratungen zur Verfügung.



Dr. Konrad Herz
26.04.2010


Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de