Amtsblatt 01.10.2011
24 Stunden mobil mit dem Elektroauto
Markus Vetter und Ingrid Kahlig in Jörn Gutbiers Elektroauto (Foto: Ingrid Kahlig)

So ein Elektroauto muss er-fahren werden, denke ich mir und frage Jörn Gutbier aus Herrenberg, ob er mir seines einmal leihen könne. Der umweltbewusste Baubiologe hat kein Problem damit, mir seinen Sam, wie der grüne Flitzer der Firma elemo heißt, mal einen Tag zu überlassen. Und so starte ich nach einer Einführung in das elektromobile Autofahren in der Hauffstraße in Herrenberg, fahre über die Bundesstraße nach Gültstein und schlage dann den Weg Richtung Unterjesingen ein.

von Ingrid Kahlig

Erst mal muss ich mich an die andere Gangschaltung gewöhnen und die Tatsache, dass das Auto nicht die typischen Automotorgeräusche von sich gibt. An die S-Bahn erinnert mich das akustische Fahrgefühl, diskret und leise, im Straßenverkehr kaum zu hören. Dafür ist der Zweisitzer optisch umso auffälliger. Überall begegnen mir lächelnde, offene Gesichter von Passanten und Autofahrern, das macht gute Laune. Das Autofahren im grünen Flitzer birgt kein archaisches Aggressionspotential, keine riskanten Überholmanöver, irgendwie scheint der Charme der neuen Technologie die Menschen offener zu machen.

Die Gangschaltung habe ich trotz meiner Bedenken gleich im Griff: sie funktioniert eher wie beim Automatikauto und hat drei Modi: den Eco-, den Sport- und den Schneemodus. Wenn ich die elektrische Motorbremse betätige, kommt der Zeiger der Anzeige in den grünen Bereich, was bedeutet, dass ich 10 Prozent Strom zurückgewinnen und länger fahren kann. Die Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern, die das Auto fährt, sind ideal für die Bundesstraße. Ich schaue auf den Kilometerstand, das Auto ist frisch aufgeladen - an einer normalen 230 Volt Haushaltssteckdose. Der Energieverbrauch bei 100 Kilometern beträgt etwa 8 kWh. Ein Auto für die Stadt und den stadtnahen Bereich ist das Elektromobil, mit einer Reichweite zwischen 80 und 90 Kilometern. Jörn kommt damit locker nach Stuttgart und zurück.

Auf dem Parkplatz auf Schloss Roseck - wo gerade die Besenwirtschaft geöffnet ist, parke ich und komme gleich ins Gespräch. Eine Dame nähert sich, und schaut sich das Fahrzeug ganz fach"männisch" an. Im Laufe des Gesprächs erzählt sie, dass sie Ingenieurin bei Daimler sei, 62 Jahre alt und die Entwicklung des Elektroautos schon seit Jahren verfolge. Die Polizei in Mailand habe ihre Fahrzeuge innerhalb der Stadt komplett auf das Elekroauto von Smart umgestellt. Sie selbst findet Gefallen an dem Sam und nimmt gerne einen der Prospekte mit. Ein anderer Autofahrer gesellt sich dazu und gibt zu bedenken, dass der Elektrosmog durch die Batterie unter dem Sitz bedenklich für die Insassen sei. Gefrorener Wasserstoff sei der Auto-Antrieb der Zukunft - ich sehe schon, dass ich hier nur bedingt mitreden kann. Um mich und den Sam herum nicht nur lächelnde Menschen, sondern auch echte Experten.

Der achtjährige Markus Vetter aus Gärtringen möchte irgendwann auch mal zu denen gehören. Er übt jetzt schon fleißig, denn er hat einen Fischertechnik-Kasten über erneuerbare Energien geschenkt bekommen. Ich schlage ihm vor, eine Probefahrt mit mir im Sam zu machen und fahre mit ihm zur Tankstelle, aber nur, um das Auto zu reinigen (und natürlich die lächelnden Gesichter zu geniessen). Kann man es hier aufladen? fragt er.Leider nicht, dafür gibt es aber online einen Freizeitführer, mit dessen Hilfe man während des Essens in einem der aufgelisteten Restaurants das Auto gleich wieder mit Strom versorgen kann. In einer Stunde ist es zu 40 Prozent aufgeladen, in fünf Stunden voll. Markus Fazit: "Ein gutes Fahrgefühl, geräuschlos, kein Co2 Ausstoss, und ich bin mir sicher, wenn ich mir dann mal ein Elektroauto kaufe, dass die Entwicklung der Batterie fortgeschrittener ist." Und da der Junge auch mal Ingenieur werden will, dürfen wir auf seine Erfindungsgabe jetzt schon gespannt sein.

Auf der Herbstschau in Herrenberg vom 14. bis 16.Oktober kann das Elektroauto von Jörn Gutbier begutachtet werden.


Ingrid Kahlig hat den kleinen Markus interviewt. Zum Hören betätigen Sie den linken Knopf des Players.

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Ingrid Kahlig
1.10.2011


Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de