GÄUBOTE vom 10.10.2007
672 Quadratmeter
im Dienste der Umwelt
Auf dem Dach der Theodor-Schüz-Realschule:
Solarpaneele nehmen großen Raum ein
(GB-Foto: Bäuerle)

Herrenberg - Weiterhin viel Dynamik steckt im Markt für die Photovoltaik, gefördert vom Erneuerbare Energien-Gesetz. Darauf setzt der Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda in Herrenberg. Sie nimmt in dieser Woche das sechste Sonnendach in Betrieb, das auf der Theodor-SchüzRealschule errichtet wurde. Am Montagabend informierten die Aktiven zusammen mit dem Planer und den Stadtwerken über den Stand des Projektes.

von Andreas Fischer

"Ich war von Anfang an dabei, als wir das erste Sonnendach realisiert haben", erklärte Wilfried Eisner, kaufmännischer Werkleiter bei den Stadtwerken Herrenberg (SWH) vor rund 25 Zuhörern. Mit 85 Kilowattpeak (kWp) werde das die größte Anlage sein, insgesamt sei man damit bei 217 kWp angelangt. Auch dieses Mal, meinte Eisner, werden sich die Stadtwerke an das Bürgerbeteiligungsverfahren halten können. Dabei würden die Anteile an die Stadtwerke vermietet, die sich ihrerseits um Verwaltung und Betrieb des Projekts kümmerten.

Von den Schwierigkeiten bei den Vorbereitungen berichtete Hermann Sautter von der Lokalen Agenda 21 und blickte hoffnungsfroh in die Zukunft. Denn zwei der Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl, Dieter Dambon und Jürgen Rohleder, waren zur Veranstaltung gekommen. Das wertete Sautter als gutes Zeichen. "Das wäre ein Novum, über das wir uns freuen würden, wenn ein neuer Oberbürgermeister persönlich an Veranstaltungen zum Sonnendach teilnehmen würde", sagte Sautter.

Mit den Vorgängen in der Verwaltung beim sechsten Sonnendach zeigte sich Sautter nämlich nicht ganz zufrieden. "Es ging ein bisschen langsamer voran als ursprünglich gewünscht." Anfang 2006 kam erstmals die Idee für ein sechstes Sonnendach auf. Im März 2007 sei die Wahl schließlich auf das Dach der TheodorSchüz-Realschule gefallen, im September sei mit dem Bau begonnen worden.

Als Vorbild diente das fünfte Sonnendach, das die Agenda im Frühjahr auf dem Dach der Jerg-Ratgeb-Realschule eingeweiht hatte. "Dort haben wir auch für die Bürgerbeteiligung geworben", erzählte Sautter. Mit Erfolg, denn nicht alle Wünsche konnten erfüllt werden. Wer damals zu kurz gekommen sei, habe hier nun eine Chance. "Sie können zugreifen", erklärte Sautter, bislang seien 71 Prozent der Anteile am sechsten Dach verkauft.

Konrad Herz, Physiker am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Stuttgart und ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis Energie der Agenda 21, bettete die Herrenberger Sonnendächer in bundesweite und internationale Entwicklungen ein. Bis 2050 wolle Deutschland 80 Prozent der Emissionen an Kohlendioxid einsparen, sagte Herz, und die Photovoltaik leiste dazu einen wachsenden Beitrag. So liege der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch mittlerweile bei etwa zwölf Prozent, bezogen auf alle diese Energien sei die Photovoltaik aber derzeit nur mit knapp drei Prozent beteiligt. Es gebe jedoch "eine rasche Marktausweitung". Das sehe man an den Investitionen in Deutschland: Bei zwölf Megawattpeak (MWp) sei die Gesamtleistung der Photovoltaik 1998 noch gelegen, heute belaufe sich der Wert auf 700 MWp, Tendenz stark steigend. Daran hingen in der Zwischenzeit 50 000 Arbeitsplätze und 3,5 Milliarden Euro Umsatz. Die Photovoltaik habe in Deutschland aber ein noch weitaus größeres Potenzial, sie könne 30 Prozent des nationalen Energieverbrauchs decken.

Helmut Seiwald vom Steinbeis-Transferzentrum in Stuttgart, Planer der Anlage, versorgte die Zuhörer mit technischen Einzelheiten und dem Verlauf des Baus. 486 Module sind jetzt auf dem Dach installiert, ein Modul kommt auf 85,05 kWp. Auf Betonsockeln seien die Module befestigt, da sie nicht anschraubbar waren, sagte Seiwald. Dafür wurde als Gewichtsausgleich ein Teil des Dachsubstrats entfernt. 672 Quadratmeter sind so abgedeckt, bei einem konservativ geschätzten Jahresertrag von fast 81 000 Kilowattstunden spare die Anlage 50 Tonnen Kohlendioxid und könne etwa 30 Haushalte im Jahr versorgen. Ungefähr 38 000 Euro erwarten die Stadtwerke im Jahr als Erlös aus der Einspeisung. Die Anlage hat sich laut Seiwald in elf Jahren gerechnet.

Karsten Schöck, Student der Elektrotechnik in Stuttgart und aktiv bei der Agenda, erläuterte die vertraglichen Zusammenhänge für die insgesamt 850 Anteile. Bis Ende 2027 erhielten die Anteilseigner nach dem Erneuerbare EnergienGesetz (EEG) 47,66 Cent pro Kilowattstunde, in den Anteilen im Wert von je 450 Euro seien alle notwendigen Versicherungen schon enthalten. Nach Abzug der Verwaltungskosten blieben etwa 39 Euro pro Anteil. Da nach dem EEG an die Stadtwerke monatlich ausgezahlt werde, die Anteilseigner jedoch eine jährliche Ausschüttung erhielten, erhielten die Anteilseigner auch noch Zinsen. Obwohl in den Anteilen bereits die Rückbaukosten enthalten seien, sei es nach 20 Jahren je nach Lage der Energiepreise "weiter möglich, die Anlage zu betrieben", sagte Schöck.

Die jeweils aktuellen Ertragsdaten der Herrenberger Sonnendächer veröffentlicht der Arbeitskreis Energie auf seiner Präsenz im Internet unter der Adresse www.agenda21-energie-herrenberg.de



Andreas Fischer
10. 10. 2007


Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de