
Der interessierte Laie musste schon einiges an Zeit mitbringen, um den Vortragsmarathon des Arbeitskreises Energie als Inspirationsquelle für den Einsatz modernster energiesparender und umweltfreundlicher Technologien nutzen zu können. Belohnt wurde er aber unter anderem durch die Erkenntnis, dass effizienter Klimaschutz und ästhetisches Design einander längst nicht mehr ausschließen.
Für den Prolog zur langen Vortragsnacht zeichnete nicht von ungefähr das Streichquartett des Salonorchesters mit den beiden AK-Energie-Aktivisten Martin Dietze und Dr. Konrad Herz verantwortlich. Doch vor den engagierten "Aufklärungsmanifesten", in denen sich technische mit ästhetischen Innovationen verbanden, forderte die harte sozialökonomische Realität in Gestalt eines Berichtes Monika Claas-Eilerts vom Caritasverband Böblingen ihr oft ausgeblendetes sowie vernachlässigtes Recht ein. Der "ökological correctness" haftet noch immer der Ruf an, eine Veranstaltung für die soziale Schicht der Besserverdienenden zu sein. Claas-Eilert rollte durch die Vorstellung des Projektes "Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte" die für die Zukunft der Weltgesellschaft mehr als entscheidende Thematik klimaschonender Energieeffi zienz vonseiten der sozialen Verlierer her auf. So messen und beraten 21 zu Stromsparexpertinnen geschulte langzeitarbeitslose Frauen kostenlos. "Fast für jede Lampe gibt es eine Lösung", fasste sie die allerdings Mut machende Erfahrung des Projektes zusammen.
Karsten Schöck wiederum referierte unter anderem zum modernsten Stand der LED-Lampen. Die technische sowie avantgardistisch ästhetische Vision à la Metropolis kreist futuristisch um die Transformation ganzer Straßenzüge zu - poetischer O-Ton Schöck: "Bewegte Inseln des Lichtes." So müsste in Zukunft ab halb elf Uhr nachts nicht mehr jede zweite Straßenlampe wegen des hohen Energieverbrauches abgeschaltet werden, weil Solarstraßenlampen auf einem 30-Prozent-Grundlevel belassen werden können und über Bewegungsmelder je nach Passantenbedarfes sich in der Lage wiederfinden, ein "Spotlight" zu entzünden. Untereinander kommunizierend, fällt so für jeden Nachtaktiven ein "Showauftritt" ab. Dass Schöck kein Epigone Jules Vernes ist, hat das Modellprojekt der ersten Herrenberger Solarstraßenlampe zwischen Gültsteiner Weg und Paul-Gerhardt-Straße eindrücklich bewiesen. "Wir sind begeistert von der Helligkeit, ihrer Zuverlässigkeit und zudem ihrem ästhetischen Design", resümierte er in euphorischem Aufbruchston. Und das Realwerden innovatorischer und gleichzeitig ökologisch integrer Technologie wird ihre Fortsetzung erfahren - ein von LED-Lampen illuminierter Weg nach Gültstein soll nächstes Jahr Vision ins alltägliche Leben revolutionieren.
Eisblumen und Holz
Aufgrund der in erster Linie durch die restriktive Wärmedämmung und die solare Ernte durch dreifachverglaste Fenster gewonnenen Energieersparnis sowie ein Plus an Wohnkomfort aus optimierter Luftqualität und jahreszeitliche Wetterkapriolen ausgleichenden Innentemperaturen sieht sich Joachim Weller mittlerweile in die Lage versetzt, seine Erfahrungen bewusst provokant und beim schwäbischen "Otto normalhäuslebauer" schon Neid schürend in die Bemerkung münden zu lassen: "Toll, wenn es wieder so richtig knackig frostig ist, dann sparen wir unter anderem wieder Holz." Wachsen die Eisblumen in der konventionellen Gebäudearchitektonik nach wie vor von innen, so wird der Avantgarde der Passivhäusler eine neue Sichtweise auf das winterliche Naturphänomen eröffnet - sie vermehren sich nur mehr an der Außenseite der Fenster.
Hermann Sautter brachte die Zuhörer schließlich auf den aktuellen gemeindepolitischen Stand der neunten Ausbaustufe des Sonnendaches auf der neuen Markweghalle.