
Mehr als 5000 Straßenleuchten weisen den Herrenbergern nachts den Weg. Und alle hängen am Stromnetz. Einmalig in der Gäustadt ist die Solar-Straßenleuchte, die gestern mit einem Baggerbiss auf den Weg gebracht wurde.
HERRENBERG. Wenn zwei an einem Strang ziehen, kommt meist Gutes dabei heraus. Noch besser sind drei: der Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21, die Stadt Herrenberg und die KREISZEITUNG Böblinger Bote. Und so trafen sich gestern für einen eigentlich unspektakulären Akt doch rund 20 Menschen, um beim Startschuss dabei zu sein, wenn die Kommune ihre erste Solarleuchte auf den Weg bringt. Gefunden wurde dafür eine ideale Stelle: der Grünbereich zwischen Gültsteiner Weg und Paul-Gerhard-Straße, den ein Fußweg durchzieht.
Der Arbeitskreis Energie spendierte für die umweltfreundliche Maßnahme 2000 Euro. Die Gruppe investierte dabei das Preisgeld des Innovationspreises 2007 der KREISZEITUNG und machte es damit der Stadt leicht, nochmals etwa die gleiche Summe dazuzulegen und damit in eine zukunftsfähige Technik einzusteigen.
Man wolle mit der technischen Neuheit Erfahrungen sammeln, meinte gestern Tiefbauamtsleiter Klaus Maisch. In den vergangenen sechs Monaten hätte man hier in der Entwicklung große Fortschritte erzielt. Zwar seien die Solar-Straßenleuchten noch rund zehnmal teurer als herkömmliche, dafür CO2-neutral. Nicht ganz so umweltfreundlich sind Natriumdampflampen, aber weit besser als die alten Quecksilberdampflampen. Hier hat die Stadt schon Anstrengungen unternommen, 200000 Euro investiert und einen Austausch vorgenommen. Die jährliche Einsparung an CO2 betrage rund 120 Tonnen, zudem werde weniger Strom verbraucht. Nach fünf Jahren habe sich diese Investition im Rahmen des Konjunkturprogramms II amortisiert.
Dr. Konrad Herz vom Arbeitskreis Energie erläuterte unter Anwesenheit von Matthias Schlecht, Verleger der KREISZEITUNG Böblinger Bote, die Technik der hochmodernen Solarleuchte, die mit ihrer Höhe von 4,65 Metern und den zwölf Leuchtdioden (LED) eine "passable Ausleuchtung" erreiche. Die Lebensdauer liege bei 75000 Stunden, so Herz, der auch über die Ziele des Arbeitskreises informierte, nämlich erneuerbare Energien einzusetzen und somit dafür zu sorgen, dass Klimaschutz zustande komme.
Die Anwesenden konnten gestern den Kopf der neuen Solarlampe schon begutachten, der sich durch die zwölf kleinen LEDs schon äußerlich von den traditionellen Leuchten unterscheidet. Tiefbauamtsleiter Klaus Maisch sah gestern einen ersten Schritt in den Einstieg der Solartechnik für Straßenleuchten. Der zweite ist aber schon in den Köpfen, denn der Gültsteiner Ortschaftsrat wünscht sich eine Ausleuchtung des vielbenutzten Weges vom Tennisplatz bis zum Ort mittels Solartechnik. Noch muss aber der Technische Ausschuss und der Gemeinderat sein Ja-Wort erteilen.
Doch soweit ist es noch nicht. Jetzt wird die erste Herrenberger Solar-Straßenleuchte installiert. Tiefbauamtsleiter Klaus Maisch stieg gestern in den Mini-Bagger und hob gekonnt das Loch für das Betonfundament aus. Auch soll die innovative Technik nicht still und leise ihren Betrieb aufnehmen. Es soll auch eine offizielle Übergabe stattfinden - wohl nach den Pfingstferien.
Eigentlich ist es nichts Außergewöhnliches, wenn eine neue Straßenlaterne aufgestellt wird. Der gestrige Spatenstich für die Leuchte an dem kleinen Verbindungsweg zwischen der Gültsteiner Straße und der Paul-Gerhardt-Straße war jedoch etwas Besonderes: Dort wird die erste solargespeiste Straßenlampe in Herrenberg aufgestellt.
Etwa 15 Personen waren beim Spatenstich für das Betonfundament dabei. Nach Pfingsten soll die 4,65 Meter hohe Solar-LED-Straßenleuchte dann offiziell in Betrieb gehen. Mit der neuen Lampe wollen die Lokale Agenda 21 und die Stadtverwaltung den unbeleuchteten Fußweg, der über eine Grünfläche führt, erhellen und gleichzeitig die Funktion und Zuverlässigkeit der LED-Lampe testen. "Wir möchten Erfahrungen sammeln, beispielsweise wie die Ausleuchtung ist", erklärte Klaus Maisch, Leiter des städtischen Amts für Umwelt und Verkehr.
Die Lampe kostet 4 300 Euro - 2 000 Euro finanziert der Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21, und die Stadt übernimmt 2 300 Euro. Zwar sei die LED-Leuchte in der Anschaffung deutlich teurer als herkömmliche Straßenlampen. Aber zum einen handele es sich bei der Solar-Lampe um ein besonders hochwertiges Modell, und die LED-Technik werde sicher bald preisgünstiger, so Maisch. Zum anderen zählt für die Stadt auch ein anderes Argument: Herrenberg beteiligt sich am Förderprogramm "Klimaschutz-Plus" des Landes Baden-Württemberg. Ziel ist es, möglichst viel CO2 einzusparen. Dabei tauscht die Stadt von ihren insgesamt 5 000 Lampen knapp 2 000 gegen energieeffizientere Modelle aus. "120 Tonnen CO2 im Jahr werden so eingespart", erklärte Maisch. Insgesamt 200 000 Euro kostet die Umstellung - die Stadt bekommt dafür vom Land einen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro.
"Wir haben schon ein weiteres Projekt in petto", sagte Maisch. Dabei handelt es sich um neun solarbetriebene Lichtmasten, die auf dem Feld- und Radweg zwischen dem Gültsteiner Wohngebiet "Höchst II" und dem Schulzentrum Längenholz aufgestellt werden könnten (wir berichteten). Kostenpunkt: 30 000 Euro. Der Gültsteiner Ortschaftsrat hat bereits zugestimmt, nun hat der Gemeinderat zu entscheiden.
Für Dr. Konrad Herz, Sprecher des Arbeitskreises Energie der Lokalen Agenda, ist die LED-Lampe die "Glühbirne der Zukunft". Die Abkürzung LED steht für "Light-Emitting-Diode", zu Deutsch "Leuchtdiode". Die besonderen Eigenschaften der LED-Lampen sind ein niedriger Stromverbrauch und eine lange Lebensdauer. Im Falle der Lampe, die jetzt am Verbindungsweg installiert wird, sind das eine Lampenleistung von zwölf Watt und eine prognostizierte Lebensdauer von über 75 000 Stunden. Nur zwölf Watt? "Das reicht für eine passable Ausleuchtung. Die LED-Lampe, deren Kopf aus zwölf Hochleistungs-LEDs besteht, setzt viel von der Energie um, die hineinfließt", sagte Herz. Die Straßenleuchte benötigt keinen Stromnetzanschluss, sondern wird über ein 100-Watt-Solarmodul, das im Lichtmast integriert ist, mit Strom versorgt. Die Solarenergie wird dazu in einem Blei-Gel-Akku gespeichert und der Lampe über eine Zeitschaltung oder einen Bewegungsmelder zugeführt.