17.03.2011 GÄUBOTE
Lokale Agenda fordert Klimaschutzkonzept
Herrenberg: Konrad Herz plädiert im Technischen Ausschuss für Stärkung des Umweltbeauftragten

Den Bericht der Lokalen Agenda 21 nutzte Dr. Konrad Herz, Sprecher des Arbeitskreises Energie zu einem Vorstoß im Technischen Ausschuss. Eine, besser aber zwei oder drei Stellen seien zusätzlich nötig, damit der Umweltbeauftragte der Stadt Herrenberg wirkungsvoller arbeiten könne.

von Harald Marquardt

Begleitet wird die Lokale Agenda 21 von Jürgen Baumer, der zugleich die Stabsstelle im Rathaus als Umweltbeauftragter ausfüllt. AK-Sprecher Konrad Herz forderte von den Gemeinderäten am Dienstag eine Stärkung dieser Position. Der Energieexperte: "Wir sind im Augenblick nicht zufrieden." Es könne nicht sein, dass Jürgen Baumer als Einzelkämpfer im Rathaus unterwegs sei. Herz appellierte an die Mitglieder im TA "mindestens eine, besser aber zwei oder drei Stellen" zu schaffen, damit der Umweltbeauftragte über eine der Sache angemessene Arbeitsgrundlage verfüge. Außerdem wünscht sich die Agenda-Gruppe einen Lenkungsausschuss, möglichst mitgetragen vom Gemeinderat, damit die Vielzahl an Ideen und Projekten auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Thomas Sprißler machte Dr. Herz keine Hoffnung. Vielmehr verwies der Oberbürgermeister darauf, dass mit seinem Amtsantritt der Umweltbeauftragte erst zu einer Stabsstelle geworden ist. "Das ist eine sehr deutliche Verbesserung." Der Umweltbeauftragte sei direkt dem Dezernenten unterstellt und könne so indirekt über dessen Weisungsbefugnis in andere Ämter hineinwirken. Eine solche Weisungsbefugnis stehe dem Umweltbeauftragten auch dann nicht zu, wenn er Amtsleiter sei und über weitere Mitarbeiter verfüge. Zusätzliches Personal sei an etlichen Stellen in der Verwaltung denkbar. Eher entscheidend aber ist die Frage, was sich Stadt zusätzlich leisten kann. Günter Achilles (SPD): "Ein weiteres Personalplus in der gegenwärtigen Situation geht nicht, wir haben eine enorme Personalausweitung gehabt." Mehr Mitarbeiter für den Umweltbeauftragten kann sich Achilles nur "als Fernziel nach gründlicher Prüfung" vorstellen.

In seiner Jahresbilanz gab Konrad Herz einen Überblick, was im Arbeitskreis Energie bewegt worden ist. "Die jüngsten Ereignisse zeigen", spielte der AK-Sprecher auf die Atomkatastrophe in Japan an, "wie wichtig Klimaschutz ist". Der Arbeitskreis besteht seit 13 Jahren und zählt mittlerweile 15 Mitstreiter. 128 Treffen zählte Herz bisher. Aufgabe des Arbeitskreises sei es, Projekte vorzuschlagen oder selbst umzusetzen. Der Energiesparer des Monats in Zusammenarbeit mit dem "Gäubote" läuft schon zehn Jahre. Die monatliche Bauberatung bestreiten vier Agenda-Mitglieder im Wechsel. Ein Renner sind die Sonnendächer, mittlerweile in der neunten Ausbaustufe. 370 Kwp werden bald installiert sein, im Herbst plant die Agenda-Gruppe ein Einweihungsfest für die Sonnendächer sieben bis neun.

Große Hoffnung setzt der Energie-AK auf eine Biogasanlage in Herrenberg. Herz räumte ein, das sei noch ein weiter Weg. Inzwischen tagt ein Vorbereitungskreis regelmäßig. Die Erhebung von Biogas-Potenzialen, der Standort für das Blockheizkraftwerk und die Frage einer Bürgerenergiegenossenschaft zur (Mit)Finanzierung der Biogasanlage beschäftigen den Vorbereitungskreis. Die erste LED-Straßenleuchte wurde dank der Agenda-Initiative installiert und von der Stadt mit der Beleuchtung des Fahrradweges nach Gült- stein nachgeahmt.

Kritisch setzte sich der Arbeitskreis mit der geplanten Umstellung im Asphaltwerk Morof von Gas auf Kohlestaub auseinander. Dem damit verbundenen Anstieg des lokalen CO2-Ausstoßes nannte Herz im Ausschuss "skandalös". In einer Petition an den Bundestag möchten die AK-Mitglieder erreichen, dass CO2 als Schadstoff in der TA-Luft berücksichtigt wird. Besonders gefreut hat den Energie-Arbeitskreis der Agenda-Anerkennungspreis des Landes, immerhin mit 2 500 Euro dotiert. Fortbildungen, Vorträge und Messen - der Kalender der Agenda-Gruppe ist dicht gefüllt.

Das Ziel der ehrenamtlich tätigen Gruppe ist ein Herrenberg, das sich zu 100 Prozent mit regenerativer Energie versorgt. Herz: "Dazu brauchen wir ein Klimaschutzkonzept." Sämtliche Möglichkeiten, wie Energie vor Ort gewonnen werden kann, müssten dabei berücksichtigt werden. Auch die Beteiligung an einem Windpark brachte Herz ins Gespräch. Forcieren soll die Stadt den Bau von Passivhäusern, zum Beispiel im Neubaugebiet in Affstätt. Einen Energieerlebnispfad würde Dr. Herz gerne auf dem Alten Rain sehen, möglichst integriert in den geplanten Naturerlebnispfad.

Für das "Netzwerk Eine Welt" in der Lokalen Agenda 21 gab Günther Wolz einen Überblick. Wichtige Basis ist der Weltladen, der vom Verein Partnerschaft Dritte Welt getragen und von 30 Ehrenamtlichen betrieben wird. Vehement warb Wolz für den fairen Handel. Das "Netzwerk eine Welt" beteilige sich an vielen Aktionen, dem Weltladentag, der Mangoaktion, mache Bildungsarbeit oder habe eine Afrika-Ausstellung organisiert.

In den Mittelpunkt seines Vortrags rückte er das Thema "Soziale Standards bei der öffentlichen Beschaffung". Es genüge nicht, darauf zu achten, dass mit Einkäufen der Stadt nicht indirekt die Kinderarbeit gefördert wird. Ein Gemeinderatsbeschluss, der auf die Einhaltung von sozialen Standards bei der Beschaffung zielt, sei zwar schon vor einigen Jahren gefasst worden. Mit der Umsetzung ist Wolz jedoch nicht zufrieden.

Die Behauptung, es gebe im Rathaus keine entsprechende Dienstanweisung, wies Oberbürgermeister Thomas Sprißler freundlich, aber bestimmt zurück. Günther Wolz bezog sich hingegen auf eine Stichprobe, als er sich nach der Herkunft von Pflastersteinen erkundigt habe, die im Auftrag der Stadt verbaut worden sind. Er regte verstärkte Schulungen der Stadtmitarbeiter an. Denkbar seien Vorbildprojekte, wie etwa eine Stadtschokolade, die aus fair gehandelten Produkten hergestellt wird. Bei Ausschreibungen müssten die Vorgaben verbindlich und Nachweise zwingend verlangt werden. Wolz: "Ohne Druck geht es nicht."

Für die ehrenamtliche Arbeit gab es durch alle Fraktion ein großes Dankeschön - und sogar auch Applaus. Thomas Sprißler versprach, die Wünsche der beiden AKs "in einem konstruktiven Dialog" weiter zu bewegen.




Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de