

180 Unternehmer und Firmenvertreter kamen am Samstag in Herrenberg zusammen. Stadtverwaltung, der Verein "unique! - Unternehmerinnen Region Böblingen" und IBM hatten zum dritten Unternehmenstag geladen. Projekt-Präsentationen und eine Firmenmesse komplettierten den Tag, in dessen Mittelpunkt Workshops und Vorträge zum Thema "Nachhaltigkeit" standen.
Erster Redner zum Thema "Nachhaltigkeit" am Samstagvormittag war Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland. "Unsere Welt wird immer vernetzter, alles wird immer intelligenter", sagte Jetter. "Früher konnte man einen Blick in den Rückspiegel werfen und sehen, wie die Zukunft wird." Das sei inzwischen nicht mehr möglich. Deshalb sei es umso wichtiger, auf Technologien zu setzen. Intelligente Systeme könnten beispielsweise im Bereich der Nahrungsmittelketten, im Verkehrs- und Transportwesen und bei der Bündelung von Energiesystemen nützlich sein. Jetter nannte den Großrechner in Jülich und das Mautsystem in Stockholm als Beispiele, bei beiden war die IBM bei der Entwicklung beteiligt. Nach Meinung des IBM-Chefs hat Deutschland kein Defizit in Sachen Technik, die Menschen würden zu oft als Bedenkenträger auftreten. "Mehr Optimismus und Offenheit wäre gut", sagte Martin Jetter. Info-Systeme sollten als Chance, der Datenschutz nicht immer in den Mittelpunkt gestellt werden. "Sonst werden wir immer die Ewig-Gestrigen bleiben."
Trotz allem technischen Fortschritt müsse sich Deutschland jedoch die soziale Nachhaltigkeit bewahren, soziale und ökologische Belange gehörten zusammen. "Für den Verkauf ist es wichtig, den Nutzen hervorzuheben. Wichtig ist aber auch, wie man mit den Menschen umgeht", erklärte Jetter.
Existenz langfristig sichern
Als zweite Rednerin trat Christine Schübel ans Mikrofon. Sie hat den Betrieb ihres Vaters, die Schübel GmbH primparts, übernommen und führt das Formenbau-Unternehmen als geschäftsführende Gesellschafterin. "Nachhaltigkeit hat für mich viele Aspekte", meinte Christine Schübel. Für kleine und mittelständische Unternehmen gehe es in erster Linie darum, die eigene Existenz langfristig zu sichern. "Wir müssen unser eigenes unternehmerisches Tun finanzieren. Wir können negative Effekte nicht nach außen geben, sondern müssen unsere Suppe selbst auslöffeln." Damit werden die Kriterien der Nachhaltigkeit voll erfüllt. Nach ihrer Sicht müssen Unternehmen vor allem Güter bereitstellen, die "die Gesellschaft wirklich braucht". Zudem gab sie ihren Kollegen einen ganz praktischen Rat. "Sie als Vorgänger müssen sich ihre eigene Altersvorsorge sichern und nicht das Unternehmen als Rentenversicherung sehen."
Strom aus der Wüste
Vorsorge und zukunftsgerichtetes Handeln waren auch die zentralen Themen im Vortrag von Prof. Dr. Dr. Hans Müller-Steinhagen. Der Leiter des Instituts für Technische Thermodynamik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte das Desertec-Projekt vor. Ziel soll sein, dass Europa bis zum Jahr 2050 15 Prozent seines Stroms von den Mena-Ländern (Middle East and North Africa), bezieht. Dafür sollen in der Wüste solarthermische Kraftwerke gebaut werden. Große Spiegelflächen werden die Sonnenstrahlen einfangen, die danach gebündelt und in Energie umgewandelt werden. Über Hochspannungs-Gleichstromleitungen wird diese nach Europa transportiert, die technischen Voraussetzungen für das Desertec-Projekt sind laut Müller-Steinhagen bereits jetzt gegeben.
Arme Länder profitieren
"Es entsteht eine Win-win-Situation für alle", hob er hervor. In den armen, sonnenreichen Mena-Ländern entstehen Arbeitsplätze, dazu kann die Energie vor Ort für die Trinkwassererzeugung genutzt werden. Für Europa entstehen zukünftig weniger Lieferengpässe, politische Konflikte könnten vermieden werden. Nach 15 bis 20 Jahren wäre der so erreichte Energie-Mix nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch kostengünstiger als der bisherige. "Das Thema berührt nicht nur die Umwelt, sondern gleichzeitig auch Außenpolitik, Wirtschaft und Entwicklungspolitik."
Neben der finanziellen Realisierung, es wird mit Gesamtkosten in Höhe von rund 400 Milliarden Euro und einer Anschubfinanzierung von 50 Milliarden Euro gerechnet, stelle auch die politische Umsetzung ein Problem dar. "Europa müsste an einem Strang ziehen und müsste sich über Grenzen hinweg vernetzen", sagte Müller-Steinhagen. Die Zahlen jedoch würden für das Desertec-Projekt sprechen: "Allein in der Zeit meines Vortrags wird weltweit eine Million Mal mehr Energie verbraucht als neu gebildet wird."
"Sehr beeindruckend und inspirierend", nannte Peter Wilke den Vortrag von Professor Müller-Steinhagen und seiner Vorredner. Insgesamt war der Wirtschaftsförderer der Stadt Herrenberg mit dem Unternehmenstag zufrieden. "Es gab keine Pannen, das Feedback der Teilnehmer war durchweg gut." Gleiche Erfahrungen haben die Organisatorinnen von "unique!" gemacht. "Die Leute haben es genossen, einen solchen Rahmen zu haben und miteinander ins Gespräch zu kommen", so die ersten Rückmeldungen, die Brigitte Schäfer, Pressesprecherin des Vereins, bekommen hat. Zudem haben die Workshops am Nachmittag eine Eigendynamik entwickelt. "Es gab teilweise sehr spannende Diskussionen. Das ist klasse, denn genau das wollten wir mit dem heutigen Tag erreichen."
Lesen Sie zum Unternehmertag auch den Artikel "Miteinander ins Gespräch kommen":
"Unternehmen, nachhaltig, erfolgreich", so die Überschrift des dritten Unternehmenstags in Herrenberg. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hatte der Verein "unique! - Unternehmerinnen Region Böblingen" das Tagesprogramm zusammengestellt und Vorträge, Workshops und eine kleine Unternehmer-Messe organisiert. Den Abschluss bildete ein Auftritt des Kabarettisten Klaus Birk und ein Netzwerk-Dinner.
Networken - "heißt miteinander schwätzen. Trotz unserer globalen Welt fehlen oftmals die regionalen Bezüge", so die Beobachtung von Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Mit dem Unternehmenstag möchte man erreichen, dass Unternehmer aus Herrenberg und der Region "miteinander schwätzen" oder globaler ausgedrückt: "networken". Im Dialog mit Brigitte Schäfer, Pressesprecherin von "unique! - Unternehmerinnen Region Böblingen", begrüßte Sprißler die rund 180 Gäste im IBM-Bildungszentrum. Kurz skizzierten die beiden die jeweilige Motivation für den dritten Unternehmenstag. Die Stadt wolle sich als "zukunftsträchtiger und innovativer Standort präsentieren", sagte Sprißler. Für die Mitglieder von "unique!" biete der Tag eine Plattform, sich als kompetente Geschäftsfrauen zu präsentieren und um Kontakte zu knüpfen, betonte Brigitte Schäfer.
A 81 hat Priorität - "Im Quervergleich stehen wir gut da", lautete die zentrale Aussage von Landrat Roland Bernhard in seinem Grußwort. In Sachen Verdienst, Ingenieursdichte und Exportvolumen liegen Region und Landkreis bundes- und europaweit auf den vorderen Plätzen. Allerdings komme man auch überdurchschnittlich oft in den Verkehrsmeldungen vor. "Als Unternehmer kann man sich nicht an den Stau auf der A 81 gewöhnen." Die Autobahn müsse schnell flüssiggemacht werden. Der Landrat versprach, dies "mit Selbstbewusstsein" einzufordern. Das Problem, meinte er, habe sogar Priorität Nummer eins für ihn.
Soziales - Schulgarten oder Sportklasse, das waren die Themen, die Erika Root, Hanna Riehm, Aaron Lesicar und Loris Rossetti am Samstag anschnitten. Die vier Achtklässler der Jerg-Ratgeb-Realschule hatten gemeinsam mit ihrer Lehrerin Eva Rebmann Präsentation und Stellwände vorbereitet, die über die verschiedenen Projekte ihrer Schule informierten. In Klasse sieben und acht stehen für die Sportklasse ein Sozialpraktikum in der Dorfgemeinschaft Tennental, das Projekt Schulgarten und zwei Schullandheim-Aufenthalte auf dem Unterrichtsplan. Dabei stehe nicht nur die Nachhaltigkeit im Vordergrund, sondern auch Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Selbstständigkeit, erzählten die vier Schüler.
Hilfe für Existenzgründer - Um das Thema Selbstständigkeit geht es auch beim Böblinger Verein "Senioren helfen Junioren". Im Jahr 1987 gegründet, haben es sich die Mitglieder zum Ziel gemacht, Existenzgründern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. "Oft kommen Kunden zu uns und haben noch nicht einmal einen Finanzplan", so die Erfahrung von Jessica Becher, bei der Kreissparkasse Böblingen Betreuerin für Freie Berufe. Diese werden von ihr an den Verein verwiesen, Gerd Bockhorn engagiert sich dort seit seinem Ruhestand ehrenamtlich. "Viele stellen sich eine Existenzgründung zu einfach vor", muss er immer wieder feststellen. Am Samstag informierten die beiden an einem Messestand über ihre Arbeit, gaben erste Tipps für die Selbstständigkeit.
Kabarett - "Fast so gut wie selbst gekocht", eher kurzweilig als nachhaltig verlief der Auftritt von Kabarettist Klaus Birk. Einer Zugfahrt nicht unähnlich, klapperte er die Haltepunkte Fußball, Kinderlosigkeit und die Begeisterungsfähigkeit der Schwaben ab, bevor die Endstation Stuttgarter Bahnhof hieß. Ebenso vernichtend wie sein Urteil zur Feinstaubplakette fiel seine Meinung bezüglich der Intelligenz mancher Mitmenschen aus: "Da sieht man mal wieder, dass man auch ohne Hirn ganz gut leben kann." Mit dem Hinweis auf die ultimative Lobhudelei der Schwaben bei einer Essenseinladung, "fast so gut wie selbst gekocht", beendete Klaus Birk sein Programm und schickte die Gäste zum Netzwerk-Dinner.
Minz-Pesto - Knapp die Hälfte der Tagesgäste hatte sich für das Netzwerk-Dinner am Abend angemeldet. Mitglieder des Herrenberger Gastronets, namentlich die Köche von Hasen, Ramada, Marco Polo, Amüs Gäu und die Weinhandlung Holz servierten Leckereien am Büfett. In den Gläsern perlte der heimische Apfelschaumwein. Chutney-Häppchen und Antipasti, Lachs im Blätterteig, Kalbfleisch-Rouladen und Grillvariationen waren eine wohl mundende und sättigende Grundlage. Als süßen Abschluss standen Erdbeeren mit Minz-Pesto, Tiramisu, Panna Cotta und Mangomark-Creme zur Auswahl.
Ein Forum für Unternehmen aller Branchen, eine Plattform zum Netzwerken boten die Initiatoren des dritten Herrenberger Unternehmenstages am Samstag im IBM-Schulungszentrum.
HERRENBERG. Initiiert wurde das Treffen vor den Toren Herrenbergs, am Fichtenberg, vom noch jungen Unternehmerinnen-Netzwerk "unique!" und der Stadt Herrenberg. Das Motto: "Unternehmen, nachhaltig, erfolgreich. Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft."
Rund 1000 Einladungen hatte man im Vorfeld verschickt, so "unique!"-Gründungsmitglied Ursula Klenk. Sie wertete es als "gute Quote", dass etwa 200 Teilnehmer zugesagt hatten, darunter Referenten, Aussteller, Aktionsbündnisse wie der Arbeitskreis Energie der lokalen Agenda 21 oder das Netzwerk Gesundheit. Kleine und große Unternehmen präsentierten sich und ihre Konzepte in einer Art Messe. Parallel standen am Vormittag Vorträge, am Nachmittag diverse Workshops und die Präsentation nachhaltiger Projekte auf dem Programm.
Reger Austauschohne jeden Zwang
Der gewünschte rege Austausch kam ohne Zweifel und Zwänge zustande, so wie der OB es sich vorab gewünscht hatte: "Schwäbisch würd mer saga, mitnandr schwätza. Hier heißt es networken!" Bestandspflege, Dialog und der Aufbau weiterer regionaler Beziehungen seien die Ziele einer solchen Veranstaltung. Oberbürgermeister Thomas Sprißler, "unique!"-Pressesprecherin Brigitte Schäfer und Landrat Roland Bernhard begrüßten zum Auftakt die Gäste aus Politik und Wirtschaft.
Gastredner waren Christine Schübel, geschäftsführende Gesellschafterin der Schübel GmbH primeparts, und Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Institutsdirektor Technische Thermodynamik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Den Reigen der Vorträge, die sich dem Thema Nachhaltigkeit widmeten, eröffnete Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur begann mit einem schonungslosen Blick auf die derzeitige wirtschaftliche Situation: "Europa lebt auf Pump!" Zur ökonomischen Nachhaltigkeit gehöre aber ein umsichtiges Wirtschaften, das auch soziale und ökologische Aspekte beinhalte: "Wie gehen wir mit unseren Ressourcen um?" Seiner Ansicht nach birgt die Krise auch Chancen, aber Politiker, Unternehmen und Verwaltungen seien gefordert, über die Grenzen von Kommunen, Ministerien, Länder, Instanzen und Ressorts hinweg intelligente Lösungen umzusetzen - "und zwar in einem konstruktiven Miteinander".
Das Kollabieren der Finanzmärkte, die Unübersichtlichkeit der Produkte, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko seien nur ein Teil des rauen Fahrwassers. "Die Menschen in der Welt sind ökonomisch, technisch und sozial miteinander verwoben. Ich bin fundamental optimistisch", meinte Jetter und sieht die große Chance im mutigen Vorpreschen: "Man kann sich nicht aus einer Krise heraus sparen, sondern muss sich heraus investieren." Gleichzeitig müsse man sich aber Gedanken darüber machen, "wie weltweite Prozesse funktionieren, wie Waren, Geld und Elektronen fließen in unserer immer vernetzteren und intelligenteren Welt mit Hard- und Software für Simulationsprozesse, analytischen Möglichkeiten und bessere Entscheidungsmustern".
Der Blick in den Rückspiegel reiche für Prognosen heute nicht mehr. "Die technischen Mittel zur Vernetzung von Ländern und Ressorts" seien da. "Wir haben kein Erkenntnisdefizit. Das Defizit liegt im Handeln", mahnte der IBM-Chef und führte Bereiche an, die er für dringend überholungsbedürftig hält: "Beispiel Energie - 50 Prozent geht im Stromnetz verloren." Risiken im Finanz- und Versicherungswesen seien heute nicht mehr abschätzbar, eine sichere Nahrungsmittelkette müsse etabliert, das leidige Transport- und Verkehrsproblem gelöst sowie das Gesundheitssystem saniert werden.
Sein Credo: "In Bildung investieren. Wir müssen den Vorsprung wahren. Viele sind dabei, uns rechts und links zu überholen!" Jetter fragte auch nach dem sozialen Gewissen: "Wie gehen wir miteinander um?" Das gelte auch in Unternehmen, in denen er zu viele Zauderer und Zurückhaltende sieht und von denen er mehr Pioniergeist und Optimismus für eine bessere Zukunft erwartet. "Um den Status Quo zu bewahren, müssen wir uns gewaltig verändern."
Landrat Roland Bernhard ging auf die Situation im Landkreis ein: Mit seiner gesunden Mischung zwischen großen Weltfirmen und kleinen sowie mittelständischen Betrieben nehme der Kreis einen Spitzenplatz in Deutschland ein in Sachen Wirtschaftskraft und Investitionsvolumen. Probleme sieht Bernhard in der Verkehrssituation auf der A81 und im Bildungssektor. Den Verkehr wieder "flüssig" zu machen und "alle Hebel in Richtung Bund in Bewegung zu setzen", darin sieht Bernhard eine Hauptaufgabe. Außerdem müsse auch der Klage vieler Unternehmer Rechnung getragen werden, wonach es jungen Menschen an Schlüsselqualifikationen mangle.