Handystrahlung kann Alzheimer lindern
Ernsthafter Journalismus
oder absichtliche Irreführung?
14. 01. 2010

In den STUTTGARTER NACHRICHTEN und weiteren Zeitungen, die die STUTTGARTER NACHRICHTEN als Mantelblatt benutzen, erschien am 7. Januar der folgende Artikel. Der Artikel wurde - aus welchen Gründen auch immer - gegenüber dem dpa-Original gekürzt und teilweise verändert wiedergegeben. Entdeckt wurde das, weil bei einer Google-Recherche über das Thema Alzheimer/Handy zufällig der Artikel der Segeberger Zeitung angezeigt wurde.

In schwarzer Schrift finden Sie den Artikel der STUTTGARTER NACHRICHTEN, grau ist der Inhalt der Segeberger Zeitung hinzugefügt.



Handystrahlen können Alzheimer lindern

Versuche mit Mäusen geben laut US-Wissenschaftler auch Hoffnung für Menschen

Handystrahlen verhindern Alzheimer - bei Mäusen

Tampa (dpa). Handystrahlen haben in einem US-Labor bei Mäusen Alzheimer verhindert - und bei bereits erkrankten Tieren das Hirnleiden gelindert. Über dieses überraschende Ergebnis berichten Mediziner der University of South Florida in Tampa im Fachblatt «Journal of Alzheimer's Disease» (Bd. 19, S. 191). Bei gesunden Mäusen verbesserte die Strahlung zudem das Erinnerungsvermögen. Wie die Gesundheitseffekte ausgelöst würden, sei noch nicht genau bekannt, schreiben die Mediziner um Gary Arendash. Dennoch halten sie ihre Ergebnisse auch für den Menschen für relevant.

Die Wissenschaftler vom Alzheimer-Forschungszentrum der Universität hatten knapp 100 Mäuse in ihre Tests einbezogen. Die meisten davon waren «Modell-Mäuse» für Alzheimer, also genetisch veränderte Tiere, in deren Gehirn sich die typischen Ablagerungen des Peptids Beta-Amyloid bilden. Die Mäuse saßen in Käfigen, die um eine Antenne gruppiert waren. Sie sandte eine für Mobiltelefone übliche elektromagnetische Strahlung mit einer Frequenz von 918 Megahertz aus - jeweils für zweimal eine Stunde täglich, sieben bis neun Monate lang. Die Dosis von 0,25 Watt pro Kilogramm habe jener entsprochen, die bei ans Ohr gehaltenem Handy auf das menschliche Gehirn einwirke, berichten die Mediziner.

Bei jungen, noch nicht erkrankten Tieren bildeten sich - anders als normalerweise - / - anders als bei anderen Versuchen - während des Versuchs keine Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn. Verhaltenstests machten deutlich, dass ihre kognitiven Fähigkeiten vollständig erhalten blieben. Bei älteren Tieren mit Alzheimer stellten die Mediziner fest, dass sie bei Leistungstests nach der mehrmonatigen Bestrahlung ebenso gut abschnitten wie völlig gesunde Mäuse. Im Hirn fanden sich weniger Ablagerungen. Und das war noch nicht alles: Setzten die Mediziner gesunde, genetisch nicht veränderte Mäuse den elektromagnetischen Wellen aus, schnitten diese anschließend besser bei den Gedächtnis- Tests ab als zuvor.

Es sei anzunehmen, dass die Ergebnisse auch für den Menschen relevant seien, betonen die Forscher. Möglicherweise ergebe sich eine neue, effektive Alzheimer-Therapie. Die Ursache der Effekte müsse allerdings noch weiter erforscht werden. Nachgewiesen sei bisher nur, dass sich die Temperatur des Gehirns von Alzheimer-Mäusen im Versuchsverlauf leicht erhöhte. Der Temperaturanstieg unterstütze möglicherweise die Ablösung der schädlichen Ablagerungen, nehmen die Forscher an / vermuten die Forscher.

Die gestiegenen Hirnleistungen gesunder Tiere erklären die Mediziner damit, dass durch die Strahlung die Aktivität der Hirnzellen angeregt werde, der Blutfluss und der gesamte Energieumsatz seien höher. Die exakten Mechanismen seien aber noch unklar, geben die Forscher zu bedenken. Dass die möglichen positiven Effekte der Handystrahlung auf das Gedächtnis bislang verborgen blieben, könnte ihnen zufolge daran liegen, dass es noch keine Langzeitstudien dazu gegeben habe, heißt es in der Mitteilung der Universität.


Insbesondere der letzte Absatz erklärt die Wirkung von Handystrahlen auf gesunde Mäuse konkreter! Warum fehlt gerade dieser wichtige Absatz bei den STUTTGARTER NACHRICHTEN? Auch die Überschriften sind unterschiedlich. Fazit: der STUTTGARTER NACHRICHTEN-Artikel suggeriert dem unvoreingenommenen Leser Hoffnung, das Handystrahlung "gesund sein könnte". Der Segeberger Artikel ist diesbezüglicher vorsichtiger formuliert, besonders was die Überschrift betrifft.

Ansonsten ist auch der Segeberger Artikel tendenziös und lässt vermuten, dass gewisse Kreise aus der Handy-Industrie mitgeschrieben haben.




Lesen Sie dazu den Leserbrief von Jörn Gutbier:

(GÄUBOTE, 11.01.2010) - Es ist nicht erstaunlich, dass so eine Überschrift im Gäubote-Mantel, den Stuttgarter Nachrichten, erscheint. Erstaunlich ist es aber, dass Meldungen über die krassen Gesundheitsschädigungen des Handygebrauchs und durch die dauerstrahlenden Sendeanlagen, die laufend über meinen Rechner tiggern, selten bis nie die Oberfläche dieser Zeitungsseiten erblicken.

In der Studie wurden krank gezüchtete Alzheimer-Mäuse mit einer kontinuierlichen Strahlung der Frequenz 918 MHz bei 0.25 W/kg jeweils eine Stunde am Tag über einen definierten Zeitraum bestrahlt und es wird festgestellt das es ihnen besser geht. Und dann wird daraus - Handys sind wohl doch gesund. Hallo? Da war wohl mal wieder der Geldhahn der Vater des Artikels.

Man kann mit elektromagnetischer Strahlung alle möglichen Effekte erzielen, je nach dem welche Parameter des Feldes man wie verändert. Elektromagnetische Strahlung ist Grundlage und Bedingung des Lebens. Es wird für Therapie benutzt, kann aber ebenso krank machen und Leben zerstören in Abhängigkeit von Frequenz, Leistung, Modulation, Pulsung, Dauer und vielen weiteren Parametern.

Im Niederfrequenzbereich ist bewiesen das langsam schwingende magnetische Feldintensitäten Veränderungen im Kalzium-Haushalt bewirkten. Diese sind bei Nervenzellen schädlich, bei Knochenzellen dagegen positiv, weil die Heilung von Brüchen beschleunigt wird. Kurze Expositionen gegenüber UMTS-Strahlung erhöhen die Aufmerksamkeit, aber nicht weil sie auch nur irgendwie Gesundheitsfördernd sind sondern weil sie akuten Stress auslösen. Die Probanden werden schneller aber machen auch viel mehr Fehler. Es gibt auch so etwas wie Eustress, positiver Stress der auch bei längerer Einwirkung die Aufmerksamkeit erhöht, aber auch hier gibt es Limits.

Wir wissen aus der umfangreichen österreichischen ATHEM-Studie, dass es für die Mikrowellenfrequenzen von GSM 1800 und UMTS empfindliche und unempfindliche Zelltypen gibt. Was nun geklärt hat warum die Forschergruppen der Mobilfunkindustrie bei Ihren Studien immer wieder auf die unempfindlichen Zelltypen zurückgreifen um damit beruhigende Überschriften zu plazieren.

Die Wissenschaftler Belyaev und Shiroff gehen in der Broschüre "Wie empfindlich reagieren Gene auf die Mobilfunkstrahlung?" am Rande auf dieses Problem der unterschiedlichen Wirkung der Parameteränderungen ein. Könnte die Frequenz 918 MHz nicht z.B. auch eine Resonanzfrequenz für die Plaque Struktur bei Alzheimer sein!?

Die Studie sagt wenig über die Wirkung von Mobilfunkstrahlung aus, umso mehr ist sie für die Botschaft geeignet, das Mobilfunk gut für alles ist. Und nebenbei wird klar wer hier die Gesellschaft steuert.

Diese Art der Artikel zum Umgang mit der Risikotechnologie Mobilfunk ist für mich beispielhaft für eine geistig-moralische Korruption, die der bekannteren materiellen Korruption lediglich einen günstigen Nährboden vorgibt. Nur die Wirkungen dieser mentalen Korruption übertreffen die Folgen der materiellen bei weitem. Sie beeinträchtigen das Niveau der Gesundheitsvorsorge, die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und in größerem Stil auch die politische Kultur der Gegenwart.

Jörn Gutbier, Herrenberg

Links zum Thema:

IG Mobilfunk Herrenberg

Segeberger Zeitung



Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de