18.03.2010 Gäubote
Sogar die Katze heizt noch
Joachim Weller

Mit dem Thema "Passivhaus zahlt sich aus" beschäftigten sich über 30 Besucher im Feuerwehrhaus in Mönchberg. Zu dieser Vortragsveranstaltung hatte der Arbeitskreis der Lokalen Agenda 21 eingeladen.

Baubürgermeister Andreas Gravert gab einen Ausblick auf die von der Stadtverwaltung Herrenberg im Oktober geplanten Energietage mit dem Thema "Energetisch sanieren im Bestand". Architekt und Städteplaner Olaf Hildebrandt vom Ingenieurbüro "ebök" in Tübingen referierte über wesentliche Merkmale der Niedrigstenergiebauweise. Großflächige Fenster an der Südseite des Hauses ermöglichen im Winter eine "passive" Solarenergienutzung: die tiefstehende Sonne sorgt für wohlige Wärme im Haus, welche durch eine dicke Wärmeisolierung konserviert wird. Im Sommer dagegen bleibt es drinnen kühl, weil die Sonne an der Südseite so hoch steht, dass sie nicht in die Räume gelangt. Kleine Fenster auf der Ost- und Westseite schützen vor der tiefstehenden Sommersonne am Morgen und Nachmittag. Im Haus herrscht immer ein besonderes "Wohlfühlklima", weil alle Außenwände und Fenster durch die gute Isolierung und eine Wärmeschutzverglasung auf einem angenehmen Temperaturniveau bleiben.

Um Wärmeverluste so gering wie möglich zu halten, werden Wärmebrücken und Undichtigkeiten an der Gebäudehülle vermieden. Im Winter bleiben die Fenster zu und Frischluft wird allen Räumen über ein Lüftungssystem zugeführt. Dabei überträgt ein Wärmetauscher die Wärme der Abluft fast vollständig auf die frische Luft. Auch die Wärme der Bewohner und der elektrischen Geräte wird über das Lüftungssystem in den Räumen verteilt. Dadurch werden Heizkörper überflüssig und es ist nur noch eine kleine Zusatzheizung nötig für den Fall, dass die Sonne mal mehrere Tage lang nicht scheinen sollte. Der Heizbedarf eines Passivhauses liegt so bei weniger als zehn eines durchschnittlichen Hauses. Auch die Sanierung von Altbauten auf nahezu Passivhausqualität ist möglich, wie Hildebrandt am Beispiel des Tübinger Nonnenhauses exemplarisch zeigte. Aber das erfordert eine gründliche Planung und einen engagierten Bauherrn. Für den Bau eines Passivhauses gibt es zinsgünstige Darlehen bei der KfW-Bank.

Dass dies alles in der Praxis funktioniert, bestätigte Joachim Weller (GB-Foto: gb), Informatik-Ingenieur und Mitglied im Arbeitskreis Energie. Er lebt mit seiner Frau seit fast drei Jahren in einem Passivhaus in Affstätt. In einem spannenden Vortrag zeigte er, dass in seinem Haus von November bis Februar nur wenige Male der Holzofen für Warmwasserbereitung und Heizen angeworfen werden muss. Der dafür nötige Brennholzstapel ist so klein, dass er nur etwa 80 Euro im Jahr kostet. Wenn er an einem kalten Winterabend mal Besuch hat, wirds richtig mollig im Haus, weil jeder Besucher seine körpereigene 100-Watt-Heizung beisteuert.

"Sogar die Katze bringt noch locker zehn Watt", meinte Weller. Wasch- und Duschwasser werden im Übrigen mit einem zehn Quadratmeter großen Solarkollektor erhitzt. Seit dem 27. Februar werde das Haus ausschließlich mit der Sonne betankt, merkte er salopp an.



GÄUBOTE
18.03.2010






18.03.2010 Amtsblatt Herrenberg
In Mönchberg über Vorzüge eines Passivhauses gesprochen
Passivhaus zahlt sich in jedem Fall aus


Mit dem Thema „Passivhaus zahlt sich aus“ konnten über 30 Besucher im Feuerwehrhaus in Mönchberg die ökologischen und ökonomischen Vorzüge eines Passivhauses kennenlernen.

Zu dieser Vortragsveranstaltung hatte der Arbeitskreis der Lokalen Agenda 21 eingeladen. Der Abend wurde durch kostenlosen Mönchberger Apfelsaft versüßt, den der Mönchberger Feuerwehrkommandant Günter Bahlinger zum Löschen durstiger Kehlen mitgebracht hatte.

Erster Bürgermeister Andreas Gravert richtete ein Grußwort an die Zuhörer und gab einen kurzen Ausblick auf die von der Stadtverwaltung Herrenberg im Oktober geplanten Energietage mit dem Thema „Energetisch Sanieren im Bestand.“

Wie ein Passivhaus funktioniert

Architekt und Städteplaner Olaf Hildebrandt vom Ingenieurbüro ebök in Tübingen referierte sehr anschaulich über die wesentlichen Merkmale dieser Niedrigstenergiebauweise. Großflächige Fenster an der Südseite des Hauses ermöglichen im Winter eine „passive“ Solarenergienutzung: die tiefstehende Sonne sorgt für wohlige Wärme im Haus, welche durch eine dicke Wärmeisolierung ähnlich wie in einer Thermoskanne konserviert wird.

Im Sommer dagegen bleibt es drinnen kühl, weil die Sonne an der Südseite so hoch steht, dass sie nicht in die Räume gelangt. Kleine Fenster auf der Ost- und Westseite schützen vor der tiefstehenden Sommersonne am Morgen und Nachmittag. Im Haus herrscht immer ein besonderes „Wohlfühlklima“, weil alle Außenwände und Fenster durch die gute Isolierung und eine Wärmeschutzverglasung auf einem angenehmen Temperaturniveau bleiben. Um Wärmeverluste so gering wie möglich zu halten, werden Wärmebrücken und Undichtigkeiten an der Gebäudehülle vermieden. Im Winter bleiben die Fenster zu und Frischluft wird allen Räumen über ein Lüftungssystem zugeführt. Dabei überträgt ein Wärmetauscher die Wärme der Abluft fast vollständig auf die frische Luft. Auch die Wärme der Bewohner und der elektrischen Geräte wird über das Lüftungssystem in den Räumen verteilt. Dadurch werden Heizkörper überflüssig und es ist nur noch eine kleine Zusatzheizung nötig für den Fall, dass die Sonne mal mehrere Tage lang nicht scheinen sollte. Der Heizbedarf eines Passivhauses liegt so bei weniger als 10 Prozent eines durchschnittlichen Hauses.

Auch die Sanierung von Altbauten auf nahezu Passivhausqualität ist möglich, wie Herr Hildebrandt am Beispiel des Tübinger Nonnenhauses exemplarisch zeigte. Aber das erfordert eine gründliche Planung und einen engagierten Bauherrn. Für den Bau eines Passivhauses gibt es zinsgünstige Darlehen bei der KfW-Bank.


Die praktische Bestätigung

Dass dies alles in der Praxis funktioniert, konnte Joachim Weller, Informatik-Ingenieur und Mitglied im Arbeitskreis Energie, anschließend aus eigener Erfahrung bestätigen. Er lebt mit seiner Frau seit fast drei Jahren in einem Passivhaus in Affstätt. In einem spannenden Vortrag konnte er den aufmerksam lauschenden Zuhörern zeigen, dass in seinem Haus von November bis Februar nur wenige male der Holzofen für Warmwasserbereitung und Heizen angeworfen werden muss. Der dafür nötige Brennholzstapel ist so klein, dass er nur etwa 80,- Euro im Jahr kostet. Wenn er an einem kalten Winterabend mal Besuch hat, wird´s richtig mollig im Haus, weil jeder Besucher seine körpereigene 100 W-Heizung beisteuert. „Sogar die Katze bringt noch locker 10 W“, meinte Herr Weller. Wasch- und Duschwasser werden im übrigen mit einem 10 m2 großen Solarkollektor erhitzt. Das ist dann die „aktive“ Solarenergienutzung im Passivhaus. Er braucht vor dem zu erwartenden Anstieg des Ölpreises in der Zukunft also keine Sorgen zu haben. In diesem Winter sind noch fast 30 Prozent des Holzvorrats übriggeblieben und seit dem 27. Februar wird das Haus und das warme Wasser wieder ausschließlich mit der Sonne betankt.

Mehr über den Arbeitskreis Energie finden Sie unter:
http://www.agenda21-energie-herrenberg.de



Amtsblatt Herrenberg
18.03.2010


Arbeitskreis Energie der Lokalen Agenda 21 Herrenberg
(in der Großen Kreisstadt 71083 Herrenberg, Kreis Böblingen)
www.agenda21-energie-herrenberg.de