
"NICHT WIE DIE ANDEREN" - titelte das Schwäbische Tagblatt – sondern mit einem vorbildlichen Energiekonzept wurde nach städtischen Planungsvorgaben ein Tübinger Lidl-Supermarkt mit drei Stockwerken errichtet, der fast ein Drittel CO2 einspart und den Geldbeutel schont.
Auf immer teurere und klimaschädliche Brennstoffe wie Öl oder Erdgas kann der Supermarkt in der Nachbarstadt verzichten, indem er die Abwärme der Kältemaschinen zur Beheizung und zur sommerlichen Kühlung des Marktes nutzt. 30 Prozent CO2 werden eingespart, 50 Fahrrad-Stellplätze wurden zusammen mit dem ADFC konzipiert, und aufs Marktdach kommt eine große Bürger-Solarstromanlage, die genossenschaftlich organisiert ist.
Bemerkenswerte Rolle der Stadtplaner
Die Rolle, die Tübinger Stadtplaner dabei gespielt haben, findet der Chronist bemerkenswert, ebenso diesen Paarlauf von Ökologie und Ökonomie, auch wenn von einem solchen Vorhaben in Herrenberg nichts bekannt ist. In der Neckarstadt war man gegen "eingeschossig mit vielen Parkplätzen drumherum", und so hat der Bauherr nach dreijähriger Verhandlung vor Baubeginn nachgebessert, nicht zuletzt, um sich von der reichlich vorhandenen Konkurrenz nachhaltig zu unterscheiden.
Nützliche Kundentoilette
Das Erdgeschoss teilt sich dieser Lidl-Markt mit einer Bäckerei- und Café-Filiale, während die beiden Stockwerke vermietet werden. Nebenbei hat diese regional aktive Bäckerei dem Supermarkt in der Südstadt zu einer Kundentoilette verholfen.
"Mögen täten wir schon wollen ..."
Geschossbauweise bietet energetische, wirtschaftliche und ökologische Vorteile, weil dadurch die Zunahme des Flächenverbrauchs gebremst wird. So sei noch mal die Frage gestattet: Wollen wir ähnliches auch in Herrenberg? Oder sagen wir mit Karl Valentin "Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut."
Hermann Sautter
11.02.2010