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Herrenberg im Klimabündnis

 

Stadtverwaltung und Gemeinderat haben im Juli 2000 auf Vorschlag der LA21, AK Energie, erfreulicherweise dem Beitritt der Stadt Herrenberg zum Klimabündnis europäischer Städte zugestimmt. Herrenberg identifiziert sich damit gemeinsam mit zahlreichen Kommunen in Europa mit den Zielen des Vereins, Maßnahmen zum Schutz der Erhaltung der Erdatmosphäre (Reduktion klimaschädlicher Gase) und der Regenwälder (keine Verwendung von Tropenholz) durchzuführen.

Ein wesentliches Ziel ist hierbei, die CO2-Emissionen in Herrenberg um 50% bis spätestens 2030 zu halbieren.

Die jährlichen CO2-Emissionen der städtischen Liegenschaften lagen laut dem Energiebericht der Stadt Herrenberg im Jahr 2000 bei 3.916 Tonnen. Demnach müssten diese jährlich um rd. 67 Tonnen verringert werden, um bis 2030 eine Absenkung auf rd. 2.000 Tonnen entsprechend den Klimabündniszielen zu erreichen. (Ob diese Rate erreicht wurde, liegt dem Verfasser nicht vor - wir recherchieren noch.)

Die im Rahmen des Klimabündnisses eingegangenen Verpflichtungen umfassen aber nicht nur die städtischen Liegenschaften, sondern alle Bereiche, die zu den CO2-Emissionen in Herrenberg beitragen. Das sind v.a. private Haushalte, Gewerbebetriebe und Verkehr. Aufgrund von Unterlagen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg lagen die gesamten CO2-Emissionen in Herrenberg 1995 bei rd. 182.000 Tonnen, wobei der Verkehr an erster, die privaten Haushalte einschließlich Kleinverbraucher (v.a. Gaststätten, Kleinbetriebe, öffentliche Gebäude) an zweiter Stelle und Industriebetriebe an dritter Stelle rangieren, siehe Tabelle unten.

Diese Zahlen zeigen, dass die Emissionen der städtischen Gebäude von rd. 4.000 Tonnen nur etwa 2% der Gesamtemissionen ausmachen. Das Klimabündnis hat aber zum Ziel, die Gesamtemissionen einer Kommune um 50% zu reduzieren.

Sektor CO2-Emissionen (Tonnen)1990 CO2-Emissionen (Tonnen)1995
Industrie 38.046 37.960
Private Haushalte u. Kleinverbraucher 49.638 63.379
Verkehr 71.344 80.831
Gesamt 159.028 182.170

Tabelle: CO2-Emissionen in Herrenberg, aufgeteilt nach Sektoren.
Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg


Klimaschutz ist nicht alleine eine Angelegenheit der Stadtverwaltung, sondern Aufgabe aller Bürger. Die Stadtverwaltung allerdings muss mit gutem Beispiel und als "Motor" den Klimaschutz vorantreiben.

Die von der Stadtverwaltung bisher durchgeführten, finanziell geförderten oder unterstützten Maßnahmen (Ausweitung des ÖPNV, energiesparende Fahrschulungen, Ausbau der Radwege, Energie-Spar-Check, Energieberatung, Zuschüsse für energetische Verbesserungen im Hausbau, PV-Bürgeranlagen) sind wichtige und erfreuliche Einzelmaßnahmen, reichen aber für einen wirkungsvollen Klimaschutz noch lange nicht aus. Weitere "Energie-Projekte" sind erforderlich (Solaranlagen auf städtischen Gebäuden, Passivhäuser in Neubaugebieten, Solarsiedlungen, Kraft-Wärmekopplung, Nahwärmenetze, Biomassenutzung usw.).

Schwieriger umzusetzen sind CO2- Einsparungen im Verkehrsbereich. Es ist unbequem, das Auto stehen zu lassen. Letztendlich hilft nur eine drastische Verlangsamung des privaten motorisierten Verkehrs (Tempo 30, Spielstraßen und Fußgängerzonen) bei gleichzeitiger Attraktivitätssteigerung des Herrenberger Busangebotes. Andere Städte verlangen eine PKW-Maut (London, Oslo). Die sogenannten "Umweltzonen" sind als Klimaschutzmaßnahmen wirkungslos, da sie niemanden abhalten, mit dem neuen SUV (Sportiv Utility Vehicle, Geländewagen) zum Bäcker um die Ecke zu fahren.

Alles zusammen sollte in ein Gesamt-Klimaschutzkonzept eingebunden werden, das die Ziele und Maßnahmen definiert und überprüfbar macht - seit Jahren eine Forderung des AK Energie. Ein guter Ansatz ist der Herrenberger Umweltbericht.


Herrenberger Umweltbericht

Auszug aus dem Herrenberger Umweltbericht

Im Jahr 2004 hat das Amt für Umwelt und Verkehr unter der höchst engagierten Federführung von Jürgen Baumer einen ausführlichen und bebilderten Umweltbericht der Stadt Herrenberg erstellt. Sie können ihn hier herunterladen (PDF, 5,5MB).

Inhalt in Kurzform (Auszüge): Der Umweltbericht ist eine hervorragende Quelle nicht nur für Klimaschützer, sondern auch für alle, die sich über Herrenberg umfassend informieren wollen.

.. und weiter?

Es ist still geworden um das Klimabündnis in Herrenberg. Vielleicht weil das Klimabündnis für die Mitglieder-Kommunen nur ein unverbindliches Ziel gesetzt hat. Vielleicht weil kein Zwang besteht, dass ein Mitglied seine Klimaschutzmaßnahmen dem Bündnis mitteilt und offenlegt (einige wenige machen es trotzdem: hier). Vielleicht weil Öl, Gas, Kohle und Uran immer noch fast nichts kosten. Vielleicht weil die Zeit noch nicht reif ist, um zu erkennen, dass Klimaschutz heißt: Nicht auf den großen Wurf der hohen Politik warten, sondern hier vor Ort jede Möglichkeit in Angriff nehmen. Global denken - lokal handeln.

Viele kleine Leute
an vielen kleinen Orten
die viele kleine Schritte tun
können das Gesicht der Welt verändern



Letzter Eintrag: 30.01.2012